Aktuelle Studien aus den Jahren 2024/2025 zeigen eine signifikante Zunahme von Angst-, Depressions- und Stress-Symptomen bei Jugendlichen im Kontext kriegerischer Konflikte, klimabezogener Zukunftsängste und Einsamkeit. Diese Stressoren wirken sowohl akut traumatisierend als auch chronisch belastend.
Neurobiologische Befunde unterstreichen, dass therapeutische Interventionen im Jugendalter nicht ausschließlich symptomorientiert, sondern Entwicklungs- und Kontext-sensitiv ausgerichtet sein sollten. Besondere Bedeutung kommt der therapeutischen Beziehung zu: Vertrauensaufbau ist kein rein psychologisches Nebenprodukt, sondern ein aktiver neurobiologischer Lernprozess. Mentalisierung-basierte Therapie, kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze mit Emotionsregulations-Fokus sowie systemische Interventionen zeigen hier besondere Anschlussfähigkeit.
Trauma-sensitive Behandlungsansätze sollten bei Jugendlichen daher frühzeitig implementiert werden – auch unterhalb der Schwelle einer voll ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung, so Braus. Interventionen zur Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (z. B. achtsamkeitsbasierte Verfahren, körperorientierte Therapien, strukturierte körperliche Aktivität) besitzen sowohl psychologische als auch neurobiologische Wirkmechanismen.
Bei Jugendlichen mit chronischer Angst oder depressiver Symptomatik könne eine Kombination aus psychotherapeutischen Verfahren und gezielter Pharmakotherapie indiziert sein. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass pubertäre neurobiologische Reifungsprozesse die Wirkung und Nebenwirkungsprofile psychotroper Substanzen modulieren können.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden