Das Aderhautmelanom ist der häufigste primäre intraokulare bösartige Tumor bei Erwachsenen. Aktuelle Studiendaten zeigen, dass die Inzidenz posteriorer Uveamelanome in Skandinavien in den letzten sechs Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen ist.
Seit Jahrzehnten wird diskutiert, inwieweit der Zeitpunkt der Behandlung einen Einfluss auf die Metastasierung und das Überleben der Patienten hat. Die bisherige Lehrmeinung ging davon aus, dass Tumorzellen bereits frühzeitig streuen, sodass eine Verzögerung der Therapie (Brachytherapie oder Enukleation) keinen wesentlichen Einfluss auf die Prognose habe. Eine groß angelegte schwedische Kohortenstudie von Stålhammar (Ophthalmology, 2024) stellt dieses Dogma nun infrage:
In seiner retrospektiven Analyse von über 1.100 Patienten zeigte sich ein kontinuierlicher Anstieg des Metastasen-bedingten Sterberisikos um etwa ein Prozent pro zehn Tage Therapieverzögerung. Daraus leitete Stålhammar die Hypothese ab, dass eine späte, fortgesetzte metastatische Streuung („late seeding“) möglich sei – ein Befund, der die lange akzeptierte Theorie der frühen hämatogenen Dissemination infrage stellte.
Jeder Zeitverlust erhöht offenbar das Risiko, insbesondere bei größeren Tumoren, so Bechrakis. Diese Ergebnisse haben unmittelbare Implikationen für die Organisation der Versorgung und widersprechen der Annahme, dass das Behandlungsintervall für das Überleben bedeutungslos sei.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden