Fehlverhalten und betrügerische Absichten im Gesundheitswesen gibt es sowohl auf der Seite der Versicherten als auch bei den Leistungserbringern. Im aktuellen Berichtszeitraum, der die Jahre 2024 und 2025 umfasst, erhielt die AOK Rheinland/Hamburg 1.066 Hinweise auf Fehlverhalten; daraus entstanden 930 Neufälle. Das sind fast 300 Fälle mehr als im vorangegangenen Zeitraum. Durch die Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen konnten bis zum Ende des Berichtszeitraums Forderungen in Höhe von 6,8 Millionen Euro gesichert werden, zahlreiche weitere Fälle wurden zur Anzeige gebracht.
„Leider erkennen wir eine stetige Zunahme der Fälle und auch der Schadenshöhe. Besonders betroffen sind die Bereiche häusliche Pflege, Arzneimittel, Fahrtkosten und Krankenhaus“, berichtete Simone Lötzer, bisherige Leiterin der Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen der AOK Rheinland/Hamburg.
Seit Jahren werden die Fälle komplexer. Das Bundeskriminalamt (BKA) berichtet davon, dass bei der betrügerischen Abrechnung von Gesundheitsleistungen zunehmende Bandenstrukturen bis hin zur organisierten Kriminalität erkennbar seien, einhergehend mit Geldwäsche und Steuerdelikten. Die Schäden durch kriminelle Energie im Gesundheitswesen sind nach Schätzungen des BKA höher als die bekannt gewordenen Fälle, da diese meist erst durch Prüfungen oder Hinweise auffallen.
„Wenn die gesetzlichen Krankenkassen Ziel von teils organisierter Kriminalität werden, darf die Politik nicht wegschauen. Der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung werden durch Kriminelle Millionenbeträge entzogen und die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen stark geschädigt. Es braucht endlich flächendeckend gut ausgestattete Ermittlungsbehörden, in denen spezialisierte Mitarbeitende für eine zügige Aufklärung sorgen können, damit die Täter auch zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte dazu Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden