Chronische Schmerzen bleiben eine zentrale gesamtgesellschaftliche Herausforderung, erklärte Frank Petzke, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft und Leiter der Schmerzmedizin der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen, auf dem Deutschen Schmerzkongress der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) vom 22. bis 25. Oktober 2025 in Mannheim.
Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Etwa 4 Millionen von ihnen sind besonders schwer betroffen. Ihre Teilnahme am Arbeitsleben ist bedroht, nicht selten unmöglich; sie ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück und verlieren Jahre an guter Lebensqualität. Für viele bedeutet das nicht nur körperliche Dauerbelastung, sondern auch Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Eine effektive Behandlung in diesen Fällen muss die komplexen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren dieser Chronifizierung berücksichtigen, um effektiv und erfolgreich zu sein. Daneben kann eine frühzeitige Identifizierung und Behandlung von Patienten im Sinne einer sekundären Prävention eines ungünstigen Krankheitsverlaufs eine Über- und Fehlversorgung mit unwirksamen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen reduzieren und die Gesundheitskompetenz der Betroffenen stärken.
Die Schmerzmedizin hat sich aufgrund von erfolgreichen und meist interdisziplinären Versorgungsangeboten einen unverzichtbaren Platz im Gesundheitssystem erarbeitet und ist durch positive Effekte auf die Arbeits- und/oder Alltagsfähigkeiten und damit der Lebensqualität Betroffener sichtbar geworden. Das wird deutlich in einem Beschluss des Deutschen Ärztetags vom Mai 2025, der feststellt: „Die teil- und vollstationäre schmerzmedizinische Versorgung ist ebenso wie eine umfassende ambulante Betreuung unerlässlich für eine Gewährleistung der Versorgungssicherheit von chronischen Schmerzpatienten in Deutschland“ und gleichzeitig darauf hinweist, dass die Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland weder quantitativ noch qualitativ sichergestellt ist.
In der teilstationären und stationären interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (IMST) arbeiten Experten aus der Schmerzmedizin, Psychologie, Pflege und Physiotherapie eng zusammen, um Körper und Psyche gleichermaßen zu behandeln. Diese Therapie wird aktuell noch in etwa 370 Kliniken angeboten; es bestehen jedoch bundesweit erhebliche Wartezeiten und vielfach keine flächendeckenden oder zumutbar erreichbaren Versorgungsangebote.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden