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Neue Leitlinie „Stationäre Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) bei Kindern und Jugendlichen“

Die Zahl von pädiatrischen Patienten mit beeinträchtigenden chronischen Schmerzerkrankungen in Deutschland ist hoch; die geschätzte Punktprävalenz liegt bei ca. 500.000 Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 17 Jahren. Unbehandelt

oder falsch behandelt persistiert die chronische Schmerzerkrankung oft bis ins Erwachsenenalter, mit enormen – auch ökonomischen – Folgen für die Betroffenen selbst, für die Gesellschaft und die Kostenträger. Durch die stationäre IMST soll eine Chronifizierung bis ins Erwachsenenalter verhindert werden und somit den Betroffenen die Möglichkeit geben werden, ihre Bildungs- und Entwicklungschancen voll auszunutzen.

Übergeordnete Ziele dieser Leitlinie sind, so die Autoren, die Verbesserung der stationären IMST sowie die Verringerung von Unter-, Über- und Fehlversorgung von pädiatrischen Patienten mit schweren, invalidisierenden chronischen Schmerzerkrankungen durch die Zusammenstellung konsensbasierter Empfehlungen zur Diagnostik sowie zur strukturellen Gestaltung und therapeutischen Umsetzung.

Genannt werden u. a. folgende konsentierte Empfehlungen:

Eine stationäre IMST soll Patienten mit chronischen Schmerzen empfohlen werden, bei denen eine vorherige ambulante Behandlung in der Primärversorgung fehlgeschlagen oder unangemessen ist und die zusätzlich mindestens eines der folgenden Merkmale aufweisen:

·         Hohe schmerzbedingte Beeinträchtigung der Lebensqualität oder der alltäglichen Aktivitäten oder des Schulbesuchs bzw. der Arbeitsfähigkeit

·         Sehr häufige oder dauerhaft starke Schmerzen

·         Bestehender Medikamentenfehlgebrauch

·         Hohe psychosoziale Belastung

·         Psychische Begleiterkrankung oder schmerzrelevante somatische Begleiterkrankung

Zum Zeitpunkt der Aufnahme zu einer stationären IMST soll zur Therapieplanung ein multidimensionales Schmerz-Assessment möglichst mit Hilfe validierter Methoden zur Anwendung kommen und objektiv interpretiert werden. Für die individuelle Therapieplanung ist es erforderlich, biopsychosoziale Aspekte, die für den Therapieverlauf oder die Aufrechterhaltung der chronischen Schmerzen relevant sind, zu erfassen.

Die Behandlungsdauer einer stationären IMST für Kinder und Jugendliche sollte mindestens zwei und maximal sechs Wochen betragen. In begründeten Einzelfällen kann eine Verlängerung der Therapie in Erwägung gezogen werden.

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/145-006

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden