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Suizidale Zwangsstörung von Suizidalität unterscheiden

Bei der suizidalen Zwangsstörung leiden die Betroffenen an Intrusionen, d. h. sich aufdrängenden Zwangsgedanken, sich suizidieren zu können, z. B. von einer Brücke zu springen, sich vor den Zug zu werfen, sich ein Messer in die Brust zu rammen oder ähnliches. Der Charakter dieser Zwangsgedanken ähnelt den sonst sehr häufigen aggressiven Zwangsgedanken, die sich oft gegen andere, häufig nahestehende, Personen richten, mit dem einzigen Unterschied, dass die Gedanken gegen sich selbst gerichtet sind.

Für den Kliniker und die Betroffenen ist es wichtig, zwischen suizidalen Zwangsgedanken und Suizidabsichten zu unterscheiden. In gängigen Suizid- Risiko-Instrumenten werden diese häufig nicht klar voneinander abgegrenzt.

Mattera et al. berichten nun empirische Daten zur Unterscheidung zwischen suizidalen Zwangsgedanken und (echten) Suizidgedanken bei Patienten mit Zwangsstörung (Journal of Affective Disorders, 2025). An der Studie nahmen 20 erwachsene Patienten mit primärer Zwangsstörung teil, davon 10 mit suizidalen Zwangsgedanken und 10 mit Suizidgedanken. Die Teilnehmer beurteilten acht validierte Szenarien suizidalen Verhaltens aus der Ich-Perspektive und mussten diese Szenarien bewerten, wie unangenehm, bedrohlich, erregend sie wirkten und wie sehr sie zum eigenen Selbstbild passten (Ego-Syntonie).

Betroffene mit suizidalen Zwangsgedanken bewerteten die Bilder im Vergleich zu Personen mit Suizidgedanken als weniger angenehm und bedrohlicher und stärker erregend und mehr ich-dyston. Der Unterschied in der Annäherung bzw. Vermeidung war statistisch signifikant. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass die Präsentation von Suizidszenarien ein potenziell hilfreiches Instrument zur differenzierten klinischen Beurteilung von suizidalen Zwangsgedanken und Suizidgedanken sein könnte.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden