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KI verändert schon heute die Patientenversorgung

Was vor wenigen Jahrzehnten noch als Vision galt, wird zunehmend Realität: Dank Künstlicher Intelligenz (KI) wird die Zusammenarbeit von Arzt und Computer immer besser. „Wir stehen an einem Punkt, an dem digitale Systeme nicht mehr nur unterstützen, sondern aktiv in Prozesse eingreifen – etwa indem sie Dokumentation übernehmen oder Abläufe koordinieren“, betonte Jens Kleesiek, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin, Universitätsklinikum Essen und Universität Duisburg-Essen. „Das wird die medizinische Versorgung grundlegend verändern,“ so Kleesiek.

 

Klassische Entscheidungsunterstützung im klinischen Alltag ist eine Aufgabe, die digitale Anwendungen heute längst zuverlässig übernehmen können. Noch mehr Potenzial misst Kleesiek sogenannten agentischen Systemen bei. Anders als klassische KI- Anwendungen, die vor allem analysieren oder unterstützen, können KI-Agenten eigenständig handeln: Sie erstellen beispielsweise Arztbriefe, organisieren Untersuchungen oder stoßen Prozesse aktiv an.

 

„EMR Guard“, ein System zur Qualitätssicherung, püft etwa in Echtzeit, ob eine vom Patienten berichtete Allergie auch strukturiert in der Krankenakte hinterlegt ist. Das erhöht die Patientensicherheit. Inzwischen wurden mehr als 80 Softwareprodukte für Forschung und Versorgung entwickelt.

 

Angesichts zunehmender Dokumentationspflichten, immer komplexerer Behandlungsprozesse und eines zunehmenden Fachkräftemangels werden digitale Lösungen so zu einem zentralen Baustein, wenn es um die Sicherung der Versorgung geht. „Ohne digitale Unterstützung werden wir die steigenden Anforderungen in der Versorgung künftig nicht mehr bewältigen können“, prognostizierte Kleesiek und ergänzte: „Wir brauchen Ärzte mit medizinischer Expertise, die die Potenziale der Technologie verstehen und sie sinnvoll in ihren Prozessen einsetzen.“

 

Letztere Forderung ist auch aus haftungsrechtlicher Sicht wichtig, liegt doch die Verantwortung für Diagnose und Therapie auch beim Einsatz von KI-Systemen weiterhin bei den Ärzten.

 

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden

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