Da die Ursachen des Post-COVID-Syndroms (PCS) bislang nicht vollständig verstanden sind, wird intensiv nach biologischen Auslösern gesucht. Im Fokus stehen dabei unter anderem sogenannte Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), die möglicherweise an den anhaltenden Beschwerden beteiligt sind. Die Vermutung, dass solche Autoantikörper eine Rolle spielen könnten, hat bei vielen Betroffenen Hoffnungen auf spezielle Blutwäsche-Verfahren geweckt.
Bei der so genannten Immunadsorption und der Plasmapherese wird das Blut außerhalb des Körpers über Filtersysteme geleitet, um bestimmte Antikörper zu entfernen. „Zahlreiche Patienten haben sich bereits diesen aufwendigen Behandlungen unterzogen – oft in der Hoffnung auf eine Linderung ihrer Beschwerden. Ob die Entfernung der Autoantikörper tatsächlich einen therapeutischen Nutzen bringt, war bislang jedoch nicht durch kontrollierte Studien belegt“, berichtete Julia Weinmann-Menke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, Vorstand der DGfN und Initiatorin der Studie.
Die nun in The Lancet Regional Health – Europe veröffentlichte IAMPOCO-Studie liefert erstmals belastbare Daten zur Wirksamkeit der Immunadsorption beim Post-COVID-Syndrom. An der Untersuchung nahmen 40 Betroffene teil, die sowohl eine echte Behandlung als auch eine Placebo-Therapie erhielten.
Das Ergebnis: Die Immunadsorption entfernte die untersuchten Autoantikörper zwar erfolgreich aus dem Blut. Die Beschwerden der Patienten verbesserten sich dadurch jedoch nicht: Im Vergleich zur Placebo-Behandlung wurden weder die ausgeprägte Erschöpfung noch Konzentrationsprobleme, körperliche Belastbarkeit noch Einschränkungen im Alltag durch die Behandlung positiv beeinflusst. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der an Post-COVID leidenden Patienten eher nicht von einer Immunadsorption profitieren wird“, kommentierte Weinmann-Menke.
Die Ergebnisse sind auch deshalb bedeutsam, weil es sich bei Immunadsorption und Plasmapherese um aufwendige (und teure) Eingriffe handelt. Die Behandlungen dauern mehrere Stunden und sind nicht frei von Risiken. In der Studie traten unter der Immunadsorption mehr Nebenwirkungen auf als unter der Placebo-Behandlung. Hinzu kommt, dass die untersuchten Autoantikörper nicht nur bei Menschen mit Post-COVID vorkommen, sondern auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei gesunden Personen nachweisbar sind.
Stortz, M., Kommer, A., Meineck, M. et al. (2026). Immunoadsorption versus sham treatment for post-COVID syndrome: a randomised sham-controlled crossover trial. Lancet Reg Health Eur., 67
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666776226001560
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden