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Vorübergehender Sehverlust zeigt hohes Herz-Kreislauf-Risiko an

Diese plötzliche Minderung der Sehschärfe – meist ein-, seltener auch beidseitig – wird zumeist durch eine vorübergehende mangelnde Durchblutung der Netzhaut oder des Sehnervs hervorgerufen. Zwei große Studien mit sehr vielen Patienten sowie Datensätzen wurden dazu in diesem Jahr veröffentlicht. Sie zeigen sowohl die deutlich erhöhten kurzzeitigen als auch die in bisherigen Studien weniger untersuchten langfristigen erheblichen Risiken für das Herz-Kreislauf-System. Dabei spiegelt die Assoziation mit Schlaganfall und Herzinfarkt das kritische Zeitfenster wider für eine therapeutische Intervention mit Risikoreduktion.

Eine kanadische Untersuchung nutzt die Daten des TriNetX – eine globale Datenbank digitaler Patientenakten von über 275 Millionen Patienten von 71 Organisationen/Kliniken mit einem Verlaufsuntersuchungszeitraum von 10 Jahren. Berechnet wurde die Häufigkeit des Auftretens sogenannter „Major Adverse Cardiovascular Events“ (MACE), Arrhythmien, venöser Thromboembolien, Krankhauseinweisungen und Mortalität.

Es handelt sich um die erste groß konzipierte Analyse zur Charakterisierung des zeitabhängigen kardiovaskulären Risikos nach vorübergehendem Sehverlust. Besonders die ersten 90 Tage stellen ein kritisches Zeitfenster dar, in dem das Risiko für Schlaganfall, MACE, Schlaganfall und Arrhythmien am größten ist und eine dringliche Intervention die besten Ergebnisse bringt.

Das Schlaganfall-Risiko war nach 14 Tagen 21-fach erhöht und persistierte 2-fach nach 10 Jahren. Patienten ohne Ereignis nach 90 Tagen oder einem Jahr hatten nach 10 Jahren immer noch ein erhöhtes Risiko. Das betont das Erfordernis einer Diagnostik und Überwachung über längere Zeit, so Holz.

Die empfohlene Abklärung bei Auftreten des visuellen Symptoms umfasst unter anderem die Karotis-Bildgebung, ein EKG, eine Herz-Echokardiographie und eine Analyse des metabolischen Risikos. Aktuelle Leitlinien der American Heart Association, American Stroke Association und der American Academy of Ophthalmology sehen eine retinal Ischämie als ein Schlaganfall-Äquivalent an und empfehlen eine dringende neurovaskuläre Abklärung.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden