Im Kiefer finden sich immer wieder überwiegend dicht sklerosierte und scharf begrenzte Herdbefunde. Es dürfte sich dabei um reaktive Prozesse handeln, deren Ätiologie aber weder histologisch noch radiologisch sicher abgeleitet werden kann. Es handelt sich wohl um einen mineralisierten Endzustand eines „ausgebrannten“ Prozesses, der keine Aktivität oder spezifische Histologie mehr erkennen lässt. Als Diagnose wird der deskriptive Begriff der idiopathischen Osteosklerose verwendet.
In der Mehrzahl der Fälle dürften die Skleroseherde aus einer (möglicherweise bereits länger zurückliegenden) Entzündungsreaktion hervorgegangen sein, die speziell im Kiefer ein potenter Stimulus für eine reaktive Knochenneubildung sein kann. Eine entsprechende Klinik/Symptomatik muss dabei nicht zwangsläufig erinnerlich sein.
Wichtig für die Beurteilung eines asymptomatischen und sklerosierten Zufallsbefundes in der Bildgebung ist immer, ob sich radiologisch Zeichen einer Größendynamik objektivieren lassen. Hierzu zählen u. a. eine (meist periphere) lytische Komponente (mit ggfs. unscharfer Begrenzung), eine Arrosion oder Destruktion der angrenzenden Kompakta, ein expansives Wachstum, ein perifokales Ödem und/oder eine Periost-Reaktion. Liegt eine solche Konstellation vor, sollte der Befund mit einem erfahrenen Radiologen diskutiert und in der Regel biopsiert werden.
Handelt es sich aber um einen scharf begrenzten und vollständig durchmineralisierten Herd, spricht das gegen eine aktive Größendynamik. Ein solcher Befund kann – sofern keine anderen Gegenargumente vorliegen – im weiteren Verlauf (in längeren Anständen) beobachtet werden, so Baumhoer.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden