Nach aktuellen Studiendaten leiden nahezu überall in der Welt ca. 10 % der Frauen in gebärfähigem Alter an einem PCOS. Aufgrund der großen epidemiologischen Bedeutung des PCOS wird eine Evidenz-basierte Diagnostik und Therapie zunehmend wichtiger.
Jetzt gibt es erstmals für Deutschland eine von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie koordinierte AWMF-Leitlinie zu diesem Thema. In dieser S2k-Leitlinie von 2025 wird grundsätzlich ein interdisziplinäres Vorgehen empfohlen, das Endokrinologie und Gynäkologie gleichermaßen einbezieht.
Besonderes Augenmerk liegt auf den zahlreichen Komorbiditäten. Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom, Dyslipidämien, eine metabolisch assoziierte Steatose der Leber (MASLD), Schlafapnoe, Endometriumkarzinom sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Essstörungen.
Die Basistherapie besteht aus einer multimodalen Lebensstil-Intervention mit Ernährungsumstellung, regelmäßiger körperlicher Aktivität und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Empfohlen werden eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining sowie eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste gesunde Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel oder alternative Verfahren werden dagegen nicht empfohlen, da ein Wirksamkeitsnachweis fehlt.
Zur medikamentösen Therapie gehören Metformin und kombinierte orale Kontrazeptiva als Mittel der Wahl bei Hyperandrogenismus und Zyklusregulation. Antiandrogene wie Spironolacton oder Cyproteronacetat bzw. Pillenpräparate mit anti-androgener Komponente gelten neuerdings als zweite Wahl und können bei unzureichendem Erfolg erwogen werden.
PCOS betrifft eine relevante Anzahl an Frauen im gebärfähigen Alter und ist mit internistisch relevanten Komorbiditäten assoziiert, die adressiert werden müssen, betonte Fassnacht. Die Diagnosestellung sei daher klinisch sehr relevant, um auch im Hinblick auf Komorbiditäten oder einen späteren Kinderwunsch passende Therapie-Optionen anbieten zu können. Je nach klinisch führender Problematik gebe die neue Leitlinie eine gute Hilfestellung.
S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS); https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/089-004
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden