Per klassischer Definition handelt es sich dabei um das Neuauftreten oder die Verschlechterung einer immunvermittelten entzündlichen Erkrankung während der Behandlung mit einem Medikament, das üblicherweise zur Therapie eben jener Erkrankung eingesetzt wird. Ein typisches Beispiel ist die paradoxe Psoriasis, bei der Psoriasis-ähnliche Läsionen unter einer Therapie mit TNF-Inhibitoren auftreten, obwohl diese Medikamente zur Behandlung von Psoriasis gedacht sind.
Allerdings wird der Begriff in der Praxis häufig breiter verwendet und auch zur Beschreibung des unerwarteten Auftretens einer anderen entzündlichen Dermatose unter Therapie verwendet, wie zum Bespiel der klinischen Manifestation eines Lupus erythematodes unter TNF-Therapie einer Psoriasis.
Die Bezeichnung „paradox“ rührt daher, dass die Reaktion dem erwarteten therapeutischen Ergebnis entgegensteht. Ursprünglich hauptsächlich bei TNF-Inhibitoren beschrieben, hat sich das Konzept auf andere Biologika, wie IL-12/23-, IL-17- und IL-4/13-Inhibitoren, ausgeweitet.
Die genauen zugrunde liegenden Mechanismen sind oft noch nicht vollständig geklärt. Es konnte aber für einige Situationen gezeigt werden, dass ein Ungleichgewicht im Zytokin-Muster der Immunantwort eine zentrale Rolle spielt.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden