Er stellte die Ergebnisse einer prospektiven, multizentrischen Kohorte (Peri-Appendicitis Acuta Tumor-Study, JAMA Surg., 2025) vor. Ausgewertet wurden die (histopathologischen) Ergebnisse von konsekutiven erwachsenen Patienten, die zwischen Dezember 2020 bis Dezember 2022 bei akuter Appendizitis mit bildmorphologischem Nachweis eines perityphlitischen Abszesses in 12 finnischen Zentren (notfallmäßig oder elektiv) appendektomiert worden waren. Bei allen Patienten war als Initialtherapie die antibiotische Behandlung und gegebenenfalls bildgebend-gesteuerte Drainage des perityphlitischen Abszesses empfohlen worden, mit Intervall-Appendektomie im Verlauf von 3 Monaten.
Insgesamt standen die Daten von 6.165 Patienten mit akuter Appendizitis zur Verfügung, von denen 396 Patienten (6,4 %) einen perityphlitischen Abszess zeigten. Nach Ausschluss einzelner Patienten mit fehlender Histologie konnten 370 Patienten (48,8 % weiblich, medianes Alter 58 Jahre) ausgewertet werden.
Die Rate an zufällig entdeckten Tumoren der Appendix lag bei Patienten mit perityphlitischem Abszess bei 53/370 Patienten (14,3 %). Damit war die Tumorrate bei diesen Patienten deutlich höher als bei Patienten mit unkomplizierter Appendizitis (14,3 % versus 1,5 %) und ebenfalls höher als bei Patienten mit komplizierter Appendizitis, aber ohne perityphlitischen Abszess (14,3 % versus 2,4 %). Das Patientenalter war dabei der einzige signifikante Risikofaktor für das Auftreten eines Appendix-Tumors bei Vorliegen eines perityphlitischen Abszesses. Dabei zeigte sich ein Cut-Off von 35 Jahren als sensitive Grenze, mit nur einem Patienten unter 35 Jahren, der einen Appendix-T umor hatte (Sensitivität 98,1 %).
Diese große und prospektiv ausgewertete Kohorte bestätigt eine hohe Rate von zufällig entdeckten Appendix-Tumoren bei Patienten mit akuter Appendizitis und perityphlitischem Abszess, besonders ab dem Alter von 35 Jahren, kommentierte Germer. Die Konsequenz müsse sein, dass alle Patienten über 35 Jahre, die sich initial mit perityphlitischem Abszess vorstellten (und zunächst antibiotisch +/- interventionell behandelt wurden) auch im Falle einer vollständigen Rekonvaleszenz einer Intervall-Appendektomie und histologischen Aufarbeitung der (verbliebenen) Appendix unterzogen werden sollten.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden