Das zeigt eine aktuelle Publikation (Liu, Z. et al., J Clin Endocrinol Metab., 2025): Aktuelle Studien belegen, dass 25 % bis 40 % des Gewichtsverlusts unter GLP‑1- Agonisten und Kombinationspräparaten wie Tirzepatid auf Kosten der fettfreien Masse gehen – also genau jener Muskel- und Gewebesubstanz, die für Kraft, Mobilität und langfristige metabolische Gesundheit entscheidend ist. In den großen Zulassungsstudien entsprach das 2 bis 6 kg Muskelverlust – weit mehr als die normale altersbedingte Abnahme von etwa 0,8 % pro Jahr im mittleren Erwachsenenalter!
Damit droht eine paradoxe Situation: Menschen reduzieren ihr Körpergewicht und metabolisieren kurzfristig günstiger, aber sie verlieren jene Substanz, die sie vor Stürzen und Funktionsverlust schützt. Besonders ältere Patienten laufen Gefahr, schneller eine Sarkopenie zu entwickeln.
Ein zweiter „blinder Fleck“ ist die kardiorespiratorische Fitness. Sie gilt als einer der stärksten Prädiktoren für kardiovaskuläre Mortalität – stärker als Cholesterin oder Blutdruck. Doch bislang konnte in klinischen Studien keine konsistente Verbesserung gezeigt werden.
Zudem muss man einen weiteren Punkt stets vor Augen haben, so Ludwig: Wenn man während der Behandlung mit den Inkretin-Agonisten nichts an seiner körperlichen Aktivität und Ernährung ändere, werde das Gewicht mit dem Absetzen dieser Therapie wieder rasant auf den Ausgangswert steigen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden