Der Wortwechsel korrigiert ein Missverständnis, so Reger-Tan. Der alte Name hat Diagnosen verzögert und zur Stigmatisierung beigetragen; der neue benennt das Eigentliche – eine Erkrankung, die etwa jede achte Frau betrifft, mit relevantem Gesundheitsrisiko.
Eine Insulinresistenz mit kompensatorischer Hyperinsulinämie – nachweisbar bei drei von vier normalgewichtigen und fast allen übergewichtigen Betroffenen – treibt nicht nur Androgen-Überschuss und Ovulationsstörung an, sondern erhöht das geschlechtsspezifische kardiometabolische Risiko: zehnfach häufiger ein Schlafapnoe-Syndrom, viermal häufiger Typ-2 Diabetes, doppelt so häufig Gestationsdiabetes, Fettleber oder kardiovaskuläre Ereignisse, die schon vor der Menopause auftreten.
Trotzdem bleiben bis zu 70 Prozent der Betroffenen undiagnostiziert, kritisierte Reger-Tan. Eine präzise Bezeichnung sei deshalb keine Kosmetik, sondern die Voraussetzung für frühe Aufklärung, strukturiertes Screening und Vorsorge – so, wie es die neue nationale Leitlinie erstmals verankere.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden