Thomas Merten, 1. Auflage 2025,
Hogrefe Verlag & Co KG,
ISBN 978-3-8017-3242-4,
34,95 €, 251 Seiten,
auch als eBook erhältlich
Thomas Merten legt in seinem Leitfaden für die neuropsychologische Begutachtung seine Expertise aus mehr als drei Jahrzehnten gutachterlicher Tätigkeit zugrunde. Entstanden ist ein übersichtliches und zugleich kompaktes Werk, das klinischen Neuropsychologen eine praxisnahe Zusammenstellung zentraler Inhalte zur Begutachtung bietet.
Das Buch ist in sieben Teile gegliedert und deckt die Aspekte der neuropsychologischen Begutachtung ab – von der grundlegenden Erklärung, was ein Gutachten von einem Befundbericht unterscheidet, bis hin zu spezifischen Fragestellungen wie die Beurteilung von ADHS oder nach Schädel-Hirn-Trauma im Kontext psychologischer Gutachten.
Besonders positiv hervorzuheben ist dabei, dass nicht erneut alle neuropsychologischen Grundlagen ausführlich dargestellt werden. Stattdessen konzentriert sich der Leitfaden für die neuropsychologische Begutachtung gezielt auf die für die Begutachtung relevanten Themen und Störungsbilder. Dadurch bleibt das Buch übersichtlich, praxisorientiert und trotz seines umfassenden Anspruchs angenehm kompakt und interessant zu lesen.
Die gute Lesbarkeit wird zusätzlich durch die gelungene Struktur aus Fließtext, Tabellen und grau hinterlegten oder umrahmten Merkkästen unterstützt, die wichtige Inhalte anschaulich zusammenfassen, die Reihenfolge und Definitionen sind klar und prägnant, zeigen eine erhebliche Mühe in der Erstellung auf. Die Literatur ist dabei aktuell. Wer sich darüber hinaus vertiefend mit einzelnen Themen beschäftigen möchte, findet zahlreiche weiterführende Literaturhinweise. Das Buch gibt praktischen Anhalt für die gutachterliche Tätigkeit, auch die gutachterliche Kommunikation und Fallstricke in der Begutachtung. Es hat eine Vielzahl von Stärken.
Sehr hilfreich ist auch das ergänzende Online-Material, das direkt oder nach kleiner Anpassung in die eigene gutachterliche Arbeit integriert werden kann. Dies erleichtert die praktische Umsetzung von Anregungen des Buches, beispielsweise zur Gliederung eines neuropsychologischen Gutachtens, erheblich.
An einigen Stellen hätten ausführlichere Fallbeispiele den praktischen Bezug zusätzlich stärken können, doch auch ohne diese bleibt das Werk ein äußerst nützliches und gut strukturiertes Nachschlagewerk.
Der Leitfaden für die neuropsychologische Begutachtung ist darüber hinaus auch hilfreich für Mediziner, Juristinnen und Auftraggeber von neuropsychologischen Gutachten sowie auch für nicht neuropsychologisch tätige psychologische Sachverständige, um wesentlich Aspekte der neuropsychologischen Begutachtung nachvollziehen zu können. Dies wird insbesondere im Teil IV, die Darstellung der Grundlagen psychologischer Testverfahren und insbesondere der Beschwerdenvalidierung ermöglicht.
Der Autor selbst weist in seinem Vorwort darauf hin, dass aufgrund der Heterogenität der Zielgruppe in Kauf genommen werden muss, dass nicht jedes Kapitel für alle Leserinnen und Leser gleichermaßen interessant oder nachvollziehbar ist. Das mindert den Wert des Buches jedoch keineswegs – vielmehr lässt es sich auch gewinnbringend lesen, wenn man sich gezielt nur einzelnen Kapiteln widmet.
Mit einem Preis von knapp 35 Euro ist das Werk zudem für ein Fachbuch dieses Umfangs vergleichsweise erschwinglich.
Der Leitfaden ist für die neuropsychologische Begutachtung uneingeschränkt empfehlenswert – sowohl für erfahrene Gutachter und Gutachterinnen als auch für alle, die sich fundiert und praxisnah in das Thema einarbeiten möchten. Das Buch von Merten hat damit das Potenzial ein Standardwerk der Begutachtung im neuropsychologischen Bereich zu werden.
Eva Capito, Bamberg