Prostatabiopsien stellen weiterhin einen zentralen Schritt in der Diagnostik des Prostatakarzinoms dar und werden entweder transrektal oder transperineal durchgeführt. Grundsätzlich gelten beide Zugangswege als diagnostisch gleichwertig. Infektiöse Komplikationen scheinen jedoch beim transperinealen Zugang seltener aufzutreten.
Klarheit brachte eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit inkl. Metaanalyse von F. P. Stangl et al. (Eur Urol Focus, 2025), die gemäß den PRISMA-Leitlinien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) durchgeführt wurde. Ziel der Arbeit war der Vergleich infektiöser Komplikationen sowie des Antibiotikaeinsatzes zwischen beiden Biopsie-Verfahren. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), welche infektiöse Komplikationen (Fieber, Harnwegsinfektionen und Hospitalisation aufgrund infektiöser Komplikationen) nach Prostatabiopsie untersuchten.
In sieben Studien, die über Hospitalisationen aufgrund infektiöser Komplikationen berichteten, zeigte der transperineale Zugangsweg ein signifikant geringeres Risiko im Vergleich zum transrektalen Zugang und reduzierte das Hospitalisations-Risiko um 77 %. Postinterventionelles Fieber trat ebenfalls seltener auf.
Die Studie liefert hochwertige Evidenz dafür, dass der transperineale Zugangsweg im Vergleich zum transrektalen Zugang das Risiko einer Hospitalisation aufgrund infektiöser Komplikationen signifikant reduziert, kommentierte Kranz. Zudem unterstreiche sie den fehlenden zusätzlichen Nutzen einer Antibiotikaprophylaxe bei der transperinealen Biopsie und stärke damit die Prinzipien der Antibiotic Stewardship.
Diese Ergebnisse adressieren bestehende Inkonsistenzen in urologischen Leitlinien und stützen die Empfehlung der Europäischen Gesellschaft für Urologie, die transperineale Biopsie als bevorzugten Ansatz für die Diagnostik des Prostatakarzinoms zu etablieren.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden