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Prolaktinom: Operation oder medikamentöse Therapie?

Bei Mikroprolaktinomen zeigen Dopaminagonisten wie Cabergolin eine sehr hohe Wirksamkeit: Rund 90 % der Patientinnen normalisieren ihre Prolaktinwerte, häufig begleitet von deutlicher Tumorverkleinerung. Die Therapie ist gut steuerbar, vergleichsweise sicher und für einen relevanten Anteil der Patientinnen (ca. 25 %) sogar zeitlich begrenzt – entweder aufgrund erfolgreicher Absetzversuche nach zwei Jahren oder durch das Erreichen der Menopause, nach der die Hyperprolaktinämie oft keine Behandlung mehr erfordert. Allerdings muss auch nach der Menopause der Prolaktin-Wert jährlich kontrolliert werden, um einen Progress nicht zu übersehen.

Demgegenüber punktet die transsphenoidale Operation mit hohen Remissionsraten von über 80 % und sehr niedriger Morbidität, insbesondere in erfahrenen Zentren. Der Vorteil liegt in der potenziellen Einmal-Lösung: Keine langfristige Medikamenteneinnahme, keine mit Dopaminagonisten assoziierten Nebenwirkungen und unmittelbare Normalisierung der Prolaktinwerte.

Allerdings bleiben langfristige Rezidive möglich, und etwa ein Viertel der Patientinnen benötigt dennoch Dopaminagonisten. Andererseits ist die Rezidivrate geringer nach einer Operation als nach einer medikamentösen Therapie, die dann ausgesetzt wurde (33 % vs. 66 %). Zudem hängen die Ergebnisse der Operation stark vom chirurgischen Setting ab, und auch wenn schwerwiegende Komplikationen selten sind, sind sie nicht völlig auszuschließen.

In der Gesamtabwägung überwiegen für die Mehrheit der Patientinnen mit einem Prolaktinom die Vorteile der medikamentösen Therapie, kommentierte Ludwig. Cabergolin sei hochwirksam, sicher, reversibel einsetzbar und in vielen Fällen zeitlich

begrenzbar. Die Operation sei eine ausgezeichnete Option für ausgewählte Fälle – etwa bei klar intrasellären Tumoren, geplanter Schwangerschaft, Intoleranz gegenüber Dopaminagonisten oder Wunsch nach Therapieabschluss. Doch im klinischen Alltag bleibt der Dopaminagonist der pragmatischere, risikoärmere und auch kosteneffizientere First-Line-Ansatz.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden