Das Ziel der operativen Behandlung bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen liegt in der Wiederherstellung der regelhaften anatomischen Strukturen und der damit verbundenen normalen Funktion. Dies trifft sowohl für die Bereiche von Lippe und Gaumen als auch für Oberkiefer und Alveolarfortsatz zu. Die Rekonstruktion im Spaltbereich des Oberkiefers und des Alveolarfortsatzes erfolgt in der Regel über eine sog. Osteoplastik mit Transplantation von Knochen aus anderen intraoralen oder extraoralen Spenderregionen in den Spaltbereich.
Grundsätzlich unterscheidet man die primäre Spaltosteoplastik, die in der Milchgebissphase durchgeführt wird, von der sekundären Osteoplastik in der Wechselgebissphase und der tertiären Spaltosteoplastik in der bleibenden Dentition. Die primäre Spaltosteoplastik wurde aufgrund der damit möglicherweise induzierten Wachstumshemmung des Oberkiefers zu Gunsten der sekundären Kieferspaltosteoplastik verlassen.
Die Strategie mit einer Operation in der frühen Phase des Wechselgebisses, insbesondere vor dem Durchbruch der bleibenden Eckzähne, typischerweise im Alter zwischen 6 und 9 Jahren, maximiert den Transplantationserfolg sowie die dentale und kieferorthopädische Prognose. Die kieferorthopädischen Vorbereitungen, die mindestens sechs Monate präoperativ erfolgen sollten, umfassen in der Regel eine Oberkieferexpansion, um die Oberkiefersegmente auszurichten und ausreichend Raum für das Transplantat zu schaffen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden