Auch mit den neuen Studiendaten zeigt sich kein genereller Vorteil mechanischer Thoraxkompression bei der Reanimation, erklärte Tim Rahmel von der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an den Knappschaftskliniken Bochum auf dem 16. Anästhesie-Update-Seminar am 14. und 15. November 2025 in Wiesbaden.
Die jüngsten Reanimationsleitlinien betonen unmissverständlich die Priorität von hochwertigen Thoraxkompressionen bei der kardiopulmonalen Reanimation. Dieses „Push hard, push fast“-Prinzip ergibt sich aus dem Verständnis, dass eine effektive, nahezu unterbrechungsfreie Herzdruckmassage die koronare und zerebrale Perfusion während des Herzstillstands aufrechterhält und somit die Erfolgschancen für ein positives Outcome maximiert.
Da eine kontinuierlich effektive manuelle kardiopulmonale Reanimation personell anspruchsvoll ist und häufig mit zunehmender Dauer an Qualität verliert, wurden mechanische Reanimationshilfen, wie Kolben- oder Bandkompressionssysteme, entwickelt. Sie sollen eine gleichbleibende Kompressionstiefe und -frequenz bei konstanter Drucktiefe unabhängig von äußeren Störfaktoren gewährleisten.
Trotz des technologischen Fortschritts ist jedoch weiterhin unklar, welchen Einfluss diese Systeme auf Überleben und neurologisches Outcome beim Herz-Kreislauf-Stillstand haben. Die Datenlage der letzten Jahre zeigt konsistent: Es gibt keinen klinischen Vorteil im routinemäßigen Einsatz bei „allen“ Reanimationen. Die Vorstellung, durch „Maschinenkraft“ ein besseres Outcome zu erzielen, hat sich nicht bewahrheitet.
Der Einsatz solcher Systeme sollte daher auf besondere Situationen beschränkt bleiben, so Rahmel. Sie können den Workflow erleichtern, wenn manuelle Reanimation nicht durchführbar oder qualitativ unzureichend ist. Für den Alltag auf Intensivstationen oder in der Notaufnahme sei die engagierte, manuelle Reanimation durch ein eingespieltes Team nach wie vor das Mittel der Wahl.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden