Eine Krebserkrankung kann mit einer erheblichen Anzahl von psychischen Belastungen bis hin zu psychischen Störungen einhergehen, berichtete Tanja Zimmermann von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf dem 19. Urologie-Update-Seminar am 6. und 7. Februar 2026 in Berlin.
Circa 30 % der Krebserkrankten erleben im Behandlungsverlauf eine psychische Störung: Am häufigsten finden sich Anpassungsstörungen, Angststörungen und Depressionen sowie Störungen durch psychotrope Substanzen. Insbesondere die depressiven Symptome scheinen bei Überlebenden mit der Zeit sogar noch zuzunehmen. Darüber hinaus ist auch ihr Risiko für Depressionen und Angststörungen um das Zwei- bis Dreifache erhöht im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung.
Während die Zahl der Krebserkrankten mit psychischen Störungen hoch ist, ist die Zahl derjenigen, die einen erheblichen Leidensdruck verspüren, ohne jedoch die diagnostischen Kriterien spezifischer Störungen zu erfüllen – den sog. Psychischen Distress – mit etwa 50 % bis 66 % noch höher. Insbesondere Personen mit reduzierten Coping-Ressourcen, fehlender sozialer Unterstützung, einer Vielzahl von körperlichen Symptomen und weiteren krankheitsunabhängigen Stressoren sowie früheren traumatischen Erfahrungen haben ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen im Rahmen einer Krebserkrankung, so Zimmer.
Anzumerken ist, dass das Erkennen solcher psychischen Belastungen bzw. Störungen bei Krebskranken auch aus gutachtlicher Sicht wichtig ist – etwa bei der Beurteilung der krankheitsbedingten Beeinträchtigung, der beruflichen Leistungsfähigkeit oder der Frage, welche Therapie im Einzelfall medizinisch notwendig sein kann.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden