Viele Menschen erhoffen von einem Mikrobiom-Test eine einfache Aussage zu ihrer Darmgesundheit; Anbieter versprechen individuelle Einblicke in die Darmgesundheit und geben Empfehlungen für Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensstil.
„Nach aktuellem Wissensstand lassen kommerzielle Mikrobiom-Tests keine zuverlässige Einschätzung darüber zu, ob das eigene Darm-Mikrobiom gesund ist“, erklärte dazu Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS und Chefärztin der Inneren Medizin am St. Josef Hospital der GFO Kliniken Bonn. „Das Mikrobiom ist hochindividuell und verändert sich ständig.“
Da die meisten kommerziellen Mikrobiom-Tests nur Familien von Bakterien und nicht einzelne Spezies untersuchen, die sich von Mensch zu Mensch stark unterscheiden können, seien belastbare Aussagen über Gesundheit oder Krankheit auf Basis dieser Tests nicht möglich. „Aus fachlicher Sicht raten wir daher davon ab, kommerzielle Mikrobiom-Tests ohne weitere ärztliche Konsultation zu verwenden“, so Terjung.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl kommerzieller Angebote hat auch ein internationales Expertengremium kürzlich in einem Konsensus-Papier (Porcari et al., The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2024) auf fehlende wissenschaftliche Standards bei Mikrobiom-Tests hingewiesen. Die Autoren kritisieren, dass kommerzielle Testanbieter ihre Produkte ohne einheitliche Standards, klare Regulierung oder nachgewiesenen Nutzen für die medizinische Versorgung vermarkten. Ziel müsse es dagegen sein, ungeeignete Tests zu vermeiden und die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Mikrobiom-Diagnostik zu fördern.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden