Hierzu gibt es die S2k-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter – Diagnostik und Behandlung“ (AWMF-Register-Nr. 028 - 014), welche unter Beteiligung von 26 Fachgesellschaften, Fachorganisationen und 2 Vertretungs-Organisationen und Verbänden 2025 veröffentlicht wurde und die insgesamt 427 Seiten umfasst. In der Leitlinie wird ausdrücklich auf die nur geringe Anzahl von Originalarbeiten, insbesondere mit höherem Evidenzgrad, zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie hingewiesen.
In dem 2025 veröffentlichen systematischen Review und Metaanalyse von Anna Miroshnychenko und Kollegen wurden alle bis September 2023 verfügbaren Studien zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei Patientinnen und Patienten unter 26 Jahren herangezogen. In die Auswertung konnten 24 Studien eingeschlossen werden. Die Ergebnisse bezüglich der Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden, Depression, Sexualfunktion, Knochendichte, kardiovaskuläre Ereignisse und Suizide sind extrem heterogen, da in den verschiedenen Studien unterschiedlichste Erfassungsmethoden verwendet wurden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es eine erhebliche Unsicherheit bezüglich der Effekte einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei Adoleszenten gibt und schädliche Folgen nicht ausgeschlossen werden können.
Ähnlich kritisch äußerte sich Marc Defant 2025. Er sieht erhebliche ethische Bedenken, da eine Hormonblockade vor der Pubertät dauerhaft irreversible Veränderungen schafft.
Vor einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei Adoleszenten ist daher eine umfassende Aufklärung der Patientinnen und Patienten sowie deren Eltern unabdingbar, so Leiber-Caspers.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden