Ein Sturz auf glattem Untergrund wirkt wie ein Belastungstest für den Knochen: Kommt es bereits bei einem Sturz aus dem Stand zu einer Fraktur, spricht dies häufig für eine verminderte Knochenstabilität. „Ein solcher Bruch ist medizinisch betrachtet oft kein Zufall, sondern ein deutliches Warnsignal“, erklärte Dagmar Führer-Sakel, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen und Vorsitzende der DGIM. „Wird die zugrunde liegende Osteoporose nicht erkannt und behandelt, steigt das Risiko für weitere Frakturen erheblich.“
Besonders betroffen sind Frauen nach den Wechseljahren, ältere Männer sowie Menschen mit hormonellen Erkrankungen oder einer längerfristigen Kortisontherapie. Mit zunehmendem Alter kommen weitere Risikofaktoren wie Muskelabbau, Gleichgewichtsstörungen und Seheinschränkungen hinzu. „Der erste Knochenbruch gilt als stärkster Prädiktor für Folgefrakturen – vor allem in den ersten ein bis zwei Jahren danach“, erläuterte Führer-Sakel.
Trotz dieser bekannten Zusammenhänge bleibt die Osteoporose-Abklärung nach Knochenbrüchen häufig aus. Studien zeigen, dass in Deutschland nur etwa 30 Prozent der Patienten nach einer fragilitätsbedingten Fraktur leitliniengerecht diagnostiziert oder behandelt werden. Die Abklärung der Osteoporose erfordert internistische Expertise: Klinische Untersuchung, Funktionstests, Knochendichtemessung, Laboruntersuchungen sowie die Bewertung von Vorerkrankungen und individuellen Risikofaktoren spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Wahrscheinlichkeit für weitere Knochenbrüche einzuschätzen.
„Wir versorgen den Bruch zwar chirurgisch oft sehr gut, verlieren aber seine Ursache aus dem Blick“, kritisierte DGIM-Generalsekretär Georg Ertl. Gerade bei Menschen mit Risikofaktoren einer Osteoporose sei es nach einer Fraktur besonders wichtig, die Knochengesundheit als entscheidenden Faktor zu bedenken.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden