Die pränatale Ultraschalldiagnostik gehört heute zu den wichtigsten Instrumenten der modernen Schwangerschaftsvorsorge. Sie ermöglicht die frühzeitige Erkennung vieler angeborener Fehlbildungen und bildet die Grundlage für eine individuelle Beratung sowie die Planung der weiteren Betreuung von Mutter und Kind. Die Qualität einer Ultraschalluntersuchung hängt jedoch von vielen Faktoren ab: Neben der technischen Ausstattung spielen insbesondere Erfahrung, standardisierte Untersuchungsabläufe und die sichere Beurteilung der erhobenen Befunde eine entscheidende Rolle.
Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet hier neue Möglichkeiten. Ihr Ziel besteht nicht darin, die ärztliche Untersuchung zu ersetzen. Vielmehr kann sie dazu beitragen, die Qualität der Untersuchung weiter zu verbessern, Arbeitsabläufe zu standardisieren und Untersuchende im klinischen Alltag gezielt zu unterstützen.
Der größte Nutzen der KI liegt bereits heute nicht darin, Diagnosen zu stellen. Moderne Systeme erkennen Standardebenen automatisch, beurteilen die Bildqualität, unterstützen die Dokumentation und führen standardisierte Messungen reproduzierbar durch. Dadurch werden Routineaufgaben reduziert und Untersuchende können sich stärker auf die eigentliche medizinische Beurteilung konzentrieren.
Die eigentliche Stärke der KI besteht daher weniger darin, seltene Fehlbildungen selbst zu erkennen, sondern darin, jede einzelne Ultraschalluntersuchung qualitativ besser und vollständig zu machen, so Enzensberger. KI erkenne Muster und bewerte Wahrscheinlichkeiten. Sie übernehme jedoch weder medizinische Verantwortung noch ersetze sie klinische Erfahrung. Die Interpretation eines Befundes und die daraus folgenden Entscheidungen bleiben Aufgabe der behandelnden Ärzte. Auch in Zukunft gelte: Künstliche Intelligenz unterstützt die ärztliche Entscheidung – die Verantwortung für Diagnose, Beratung und Therapie bleibt aber beim Menschen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden