Die in aktuellen Konflikten beobachteten Verletzungsmuster verdeutlichen, dass sich die medizinischen Anforderungen im Kriegsfall grundlegend von klassischen Einsatz- oder Katastrophenszenarien unterscheiden. Sowohl die Erfahrungen aus der Ukraine als auch die im Rahmen nationaler Planungen herangezogenen Szenarien zeigen eine Dominanz komplexer Explosions- und Schrapnell-Verletzungen, kombinierter thorako-abdomineller Traumata, schwerer Weichteil- und Gefäßschäden sowie relevanter Anteile thermischer Verletzungen.
Hinzu treten eine hohe Rate intensivpflichtiger Patientinnen und Patienten, langwierige Behandlungsverläufe, Amputationen und ein zunehmendes Problem multiresistenter Erreger.
Diese Verletzungsmuster führen zu einem außerordentlich hohen Bedarf an chirurgischer, intensivmedizinischer, pflegerischer und rehabilitativer Versorgung und machen deutlich, dass organisatorische Strukturen, Behandlungsprozesse und Ressourcenvorhaltungen gezielt auf langandauernde Hochbelastungs-Szenarien ausgerichtet werden müssen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden