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Interface-Erkrankungen im Auge – wie vorgehen?

Mit der demografischen Entwicklung dürfte die Zahl betroffener Menschen weiter steigen. Gleichzeitig führt die breite Verfügbarkeit hochauflösender OCT-Diagnostik dazu, dass diese Veränderungen – insbesondere die epiretinale Membran, auch epiretinale Gliose genannt, als häufigste Manifestation – immer früher und häufiger erkannt werden.

 

Eine bessere Diagnostik darf jedoch nicht automatisch mehr Operationen bedeuten, sondern sollte vor allem eine frühzeitige und kontrollierte Entscheidung zwischen Abwarten und Chirurgie ermöglichen, so Hattenbach. Nicht jeder OCT-Befund sei behandlungsbedürftig, doch zu langes Abwarten bei ausgeprägten Beschwerden oder Makulaforamen könne das funktionelle Ergebnis einer späteren Operation begrenzen.

 

Die moderne Netzhautmedizin verfolge deshalb einen individualisierten Ansatz:

·         Beobachten, solange Verlauf und funktionelle Beeinträchtigung dies erlauben.

·         Operieren, wenn Beschwerden, Befund und Prognose den Eingriff rechtfertigen.

 

Die epiretinale Membran stehe damit auch exemplarisch für eine Herausforderung der modernen Medizin insgesamt: Wir können Veränderungen immer früher erkennen, doch die eigentliche ärztliche Aufgabe bestehe darin, zu entscheiden, wann tatsächlich eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliege. Gerade angesichts des „Volkskrankheit-Charakters“ vitreo-retinaler Interface-Erkrankungen ergebe sich daraus eine besondere Verantwortung.

 

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden