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Gefahr der febrilen Neutropenie unter Chemotherapie

Die Inzidenz einer febrilen Neutropenie unter Chemotherapie ist in der Literatur sehr heterogen beschrieben, berichtete Beyhan Ataseven von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität Bielefeld-Klinikum Lippe auf dem 19. Gynäkologische-Onkologie-Update-Seminar am 14. und 15. November 2025 in Mainz.

Sie ist abhängig von der Tumorentität, dem Chemotherapie-Regime, der Dosisintensität und patientenspezifischen Risikofaktoren (z. B. Alter, Komorbiditäten, Ernährungszustand, Knochenmarkreserve). Bei erwachsenen Patienten mit soliden Tumoren und Lymphomen liegt die Inzidenz zwischen 10 % und 50 %. Bei hämatologischen Neoplasien (z. B. akuten Leukämien, aggressiven Lymphomen) können Raten von über 80 % auftreten (v. a. bei hochdosierter Chemotherapie).

Besonders kritisch ist die febrile Neutropenie, definiert als Neutrophilen-Zahl unter 500 /μl (oder erwartet unter 500 /μl) in Kombination mit Fieber ≥ 38,3 °C bzw. ≥ 38,0 °C über mehr als eine Stunde. Sie stellt somit einen onkologischen Notfall dar und ist mit signifikanter Morbidität, Mortalität und Therapie-Unterbrechungen assoziiert.

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass das Mortalitätsrisiko bei febriler Neutropenie stark von der Tumorentität und den individuellen Patientencharakteristika abhängt. Während Brustkrebspatientinnen insgesamt ein eher moderates Risiko zeigen, steigt es bei älteren Patientinnen signifikant an. Bei Lungenkrebspatienten ist die Mortalität dagegen insgesamt hoch, sodass diese Patientengruppe eine besonders engmaschige supportive Überwachung und prophylaktische Maßnahmen benötigt.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden