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Gefäßerkrankungen bei Frauen: Anderer Verlauf und häufig später erkannt

Frauen fallen häufiger als Männer durch Symptome auf, die nicht unmittelbar an eine Gefäßerkrankung denken lassen. Das gilt etwa für die periphere arterielle Verschlusserkrankung (PAVK). „Bei Frauen fehlen oft die typischen Wadenschmerzen beim Gehen“, berichtete Deborah Uebermuth, Gefäßmedizinerin an der Klinik für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie an der Universität Köln. „Stattdessen treten verstärkt diffuse Bein- oder Fersenschmerzen auf.“ Es sei wichtig, so Uebermuth, auch bei solchen unklaren Beschwerden an eine ABI-Messung („Ankle-Brachial Index“, Knöchel-Arm-Index) zu denken.

Zudem bleibt die PAVK bei Frauen länger unbemerkt als bei Männern. Während der Anteil der Frauen, die an einer PAVK erkrankt sind, aber zunächst keine Symptome zeigen, einer Bevölkerungsstudie zufolge bei 12,6 Prozent liegt, beträgt er bei Männern nur 9,4 Prozent. „Patientinnen werden tendenziell auch später diagnostiziert“, erklärte Uebermuth. So leiden vor einer Behandlung bereits 16 Prozent der Frauen unter Ruheschmerzen; bei Männern liegt dieser Anteil bei 11 Prozent.

Die größte Relevanz besteht offenbar aber bei lebensbedrohlichen Aortenaneurysmen und Aortendissektionen. Zwar sind Frauen davon seltener betroffen als Männer. Gleichzeitig wachsen Bauchaortenaneurysmen bei Frauen mehreren Studien zufolge schneller als beim männlichen Geschlecht. Während aber gesetzlich krankenversicherte Männer in Deutschland ab dem 65. Lebensjahr einen Anspruch auf ein einmaliges Ultraschallscreening auf ein Bauchaortenaneurysma haben, besteht ein solcher Regelanspruch für Frauen bislang nicht. „Wird die Diagnose dadurch verzögert, verschlechtern sich die Chancen auf eine rechtzeitige Behandlung“, betonte Uebermuth.

Dass sich bei Frauen auch die Diagnosestellung bei einer Aortendissektion im Vergleich zu Männern verzögert, könnte an einer tendenziell anders gelagerten Ausprägung der klassischen Symptome liegen. „Zwar präsentieren sich auch Frauen meist mit Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder der Brust“, so Uebermuth. „Der Schmerzbeginn kann jedoch milder, weniger schlagartig ausfallen.“ Zudem treten bei Frauen häufiger Begleitsymptome wie Kreislaufinstabilität oder Bewusstseinsstörungen auf, was die Diagnose zusätzlich erschweren kann.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden