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Kritischer Umgang mit Opioiden in der Schmerztherapie

Insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), in geringerem Ausmaß aber auch in Großbritannien und Australien, waren verschriebene Opioide an einer Zunahme Opioid-bedingter Todesfälle (Opioidkrise) beteiligt.

Für Deutschland liegt nun unter Federführung der Deutschen Schmerzgesellschaft auch deshalb die aktualisierte vierte Version einer in vielen Teilen evidenzbasierten S3-Leitlinie zur Langzeittherapie mit Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen vor. An ihrer Erarbeitung waren 36 Fachgesellschaften beziehungsweise Verbände und zwei Patientenorganisationen beteiligt; die Leitlinie wurde nach entsprechender Methodik erstellt. Die Prüfung durch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist erfolgt, die öffentliche Konsultationsphase ist abgeschlossen, die finale Zustimmung der Fachgesellschaften steht noch aus.

Diese Leitlinie setzt den Schwerpunkt auf die kritische Indikationsstellung und die Begleitung von mit Opioiden behandelten Patienten fort. Sie umfasst überarbeitete Kapitel zur „guten“ Praxis einer Opioidtherapie über mehr als vier Wochen sowie zu Indikationen und Nichtindikationen für eine Langzeittherapie mit Opioiden.

Die „gute“ Praxis fokussiert auf eine sorgfältige Indikationsstellung unter Berücksichtigung der Vorbehandlung und körperlicher sowie psychiatrischer Begleiterkrankungen. Sie umfasst außerdem eine sorgfältige Aufklärung der Patienten über Risiken und Nutzen mit dem Ziel einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und der Definition von Therapiezielen sowie eine enge Begleitung zur Sicherstellung einer erfolgreichen Therapie.

Zentrale Empfehlungen sind zum Beispiel:

·         Opioide erst nach einer Optimierung nicht medikamentöser und alternativer medikamentöser Therapieoptionen einzusetzen;

·         eine Therapie über die dreimonatige Einstellungsphase hinaus nur bei stabilem Erreichen der Therapieziele und bei geringen beziehungsweise tolerablen Nebenwirkungen fortzuführen;

·         weitere indizierte nicht medikamentöse Therapien parallel fortzuführen;

·         die Therapie mit Opioiden im weiteren Verlauf zu beenden, wenn sich die Einschätzung von Nutzen und Nebenwirkungen verschlechtert oder ein Wirkverlust, eine missbräuchliche Anwendung oder eine Abhängigkeit beobachtet wird.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft hofft, dass die aktualisierte Version der Leitlinie die Balance zwischen einer grundsätzlich kritischen Indikationsstellung und Therapiebegleitung einerseits sowie der Verfügbarkeit und Sicherheit für Patienten mit gutem Ansprechen und guter Verträglichkeit andererseits weiter fördert, betonte Petzke. Damit dies gelingen könne, sei es essenziell, dass auch künftig eine am bio-psycho-sozialen Modell orientierte, interdisziplinäre schmerztherapeutische Versorgung in allen Sektoren gesichert sei.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden