In den letzten Jahren wurde zunehmend deutlich, dass diese Erkrankungen häufig nicht als isolierte lokale Infektionen zu verstehen sind, sondern Teil eines komplexen Krankheitsbildes bei meist älteren und multimorbiden Patienten darstellen. Neben der Infektion selbst beeinflussen insbesondere Alter, Komorbiditäten, Sepsis sowie wiederholte operative Eingriffe das Überleben der Betroffenen.
Besonders gut untersucht ist die Mortalität bei periprothetischen Gelenkinfektionen. Eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2025 zeigte für Patienten mit periprothetischen Hüftgelenkinfektionen eine Mortalität von etwa 11 % innerhalb von drei Jahren nach Prothesenimplantation. Damit erreicht die Mortalität eine Größenordnung, die mit der 5-Jahres-Mortalität häufiger Tumorerkrankungen vergleichbar ist.
Auch Registeranalysen zeigen eine langfristig erhöhte Mortalität. Patienten mit periprothetischen Gelenkinfektionen weisen im Vergleich zu Patienten mit aseptischer Revision ein signifikant erhöhtes Sterberisiko auf. Neben dem höheren Alter gelten insbesondere Komorbiditäten, ein erhöhter ASA-Score sowie septische Komplikationen als wichtige prognostische Faktoren. Bei vorliegenden gleichzeitigen Sepsis-Kriterien beträgt die In-Hospital-Mortalität 24,4 %.
Auch bei Fraktur-assoziierten Infektionen zeigen neuere Studien eine relevante Mortalität, wenngleich die Datenlage insgesamt weniger umfangreich ist als bei periprothetischen Gelenkinfektionen. In Kohortenstudien, insbesondere bei älteren Patienten nach proximalen Femurfrakturen, wurde eine deutlich erhöhte Mortalität bei Vorliegen einer Fraktur-assoziierten Infektion beschrieben.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, so Rupp, dass die Kombination aus Trauma, operativen Revisionseingriffen und Infektion insbesondere bei geriatrischen Patienten eine erhebliche prognostische Bedeutung hat.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden