Harnwegsinfektionen sind sehr häufig. Zur möglichen Assoziation mit urologischen Neoplasien gibt es bisher keine guten Daten. Ziel einer aktuellen Studie (BMJ Public Health, 2025) war daher, bei Männern und Frauen über 50 Jahren einen möglichen Zusammenhang zwischen akuter Zystitis und nachfolgender Diagnose einer urogenitalen Neoplasie aufzudecken. In der umfassenden Kohortenstudie in Schweden wurden ca. 600.000 Patienten mit der Erstdiagnose einer akuten Zystitis eingeschlossen und mit dem Krebsregister abgeglichen (Follow-Up 15,6 ± 7,3 Jahre). Endpunkt war die Neudiagnose eines malignen urogenitalen Tumors im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.
Dabei zeigte sich in der Tat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Erstdiagnose insbesondere eines Prostata- oder Blasenkrebses, aber auch eines Endometriumkarzinoms bei diesen Patienten, vor allem in den ersten drei Monaten nach erstmaliger akuter Zystitis. Das Risiko blieb noch mehrere Jahre erhöht.
Eine Hämaturie sollte nach Abklingen des Harnwegsinfekts unbedingt erneut kontrolliert werden und ist eben bei Persistenz nicht immer „Ausdruck einer oligosymptomatischen IgA-Nephritis“, kommentierte Kunter. Gerade bei Älteren sei das Risiko eines okkulten Malignoms besonders hoch, also in einem Alter, in dem Beschwerden in Bezug auf den Harntrakt häufig unspezifisch erscheinen, Harnwegsinfekte aber ihren deutlichen zweiten Altersgipfel haben.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden