Als wesentlicher Pathomechanismus des funktionellen Schwindels, von dem es 4 Unterformen gibt, wird eine verstärkte Selbstwahrnehmung und Eigenkontrolle der Balance angenommen. Dies führt zu Störungen der räumlichen Orientierung, möglicherweise durch eine angstbedingte Suppression des vestibulären Systems. Auch ist bei Patienten mit funktionellem Schwindel das Blickfeld bei Augenbewegungen im Vergleich zu gesunden Kontrollen reduziert.
Der funktionelle Schwindel kann sich als primäres oder sekundäres Syndrom manifestieren, letzteres insbesondere bei Patienten mit vestibulärer Migräne. Die Diagnose beruht auf positiven (!) diagnostischen Kriterien und (für den primären funktionellen Schwindel) auf dem Ausschluss anderer Erkrankungen mit dem Leitsymptom Dauerschwindel.
Der funktionellen Schwindel führt zu einer stärkeren Beeinträchtigung der Lebensqualität und Funktionsfähigkeit als die meisten anderen Schwindelsyndrome. Im klinischen Alltag ist besonders auf die Entwicklung eines sekundären funktionellen Schwindels zu achten.
Es fehlen weiterhin positive Plazebo-kontrollierte Therapiestudien. Strupp empfahl eine multimodale Therapie (Cave: Balancetraining kann zu weiterer Verstärkung der Selbstbeobachtung führen und wird nicht befürwortet). Behandlungsversuche mit SSRIs (selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern) scheinen sinnvoll zu sein.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden