Entscheidend ist der bio-psycho-soziale Ansatz, der zu einem Paradigmenwechsel in der Beurteilung des Krankheitsbildes führt, ähnlich wie in der Psycho-Kardiologie – weg vom Reduktionismus „somatisch“ versus „psychisch“. Das gilt auch für die Therapie, die symptomorientiert und bio-psycho-sozial erfolgen soll.
Dabei kann Long-COVID ganz unterschiedlich verlaufen: Kontinuierlich, schubförmig-remittierend oder progredient. Auch können ein Organsystem oder mehrere betroffen sein, mit entsprechend unterschiedlicher Symptomatik. Da objektive Befunde zur Sicherung der Diagnose fehlen, herrscht oft eine große diagnostische Unsicherheit.
Oberste Priorität hat die Unterscheidung von Patienten mit PEM (Post-Exertional Malaise; Verschlechterung vorbestehender Krankheitssymptome infolge geringer körperlicher oder geistiger Belastung) gegenüber Patienten mit Fatigue, aber ohne PEM, betonte Gogoll. Bei PEM-Patienten gelte: Pacing first!
Anzumerken aus gutachtlicher Sicht ist, dass bereits auf dem Heidelberger Gespräch im Oktober 2022 betont wurde, dass die Begutachtung von Long-/Post-COVID in jedem Fachgebiet im Rahmen eines bio-psycho-sozialen Konzepts erfolgen müsse.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden