Die Testosteron-Therapie hat sich in den letzten Jahren durch robuste Studien – insbesondere die TRAVERSE-Studie – als kardiovaskulär sicher erwiesen. Nebenwirkungen wie Polyglobulie sind gut kontrollierbar. Im metabolischen Kontext zeigt die Testosteron-Therapie klare Vorteile bei Insulinresistenz, Fettverteilung und Entzündungsparametern; sie ersetzt jedoch keine Lebensstilintervention.
Im Bereich Sexualität und Reproduktion etabliert sich ein interdisziplinärer Ansatz, der auch seltene Ursachen (z. B. Klinefelter-Syndrom) berücksichtigt und digitale Therapien integriert. Besonders häufig betroffen sind Risikogruppen wie Opioid-abhängige Männer oder junge Berufstätige mit chronischem Stress. Eine Testosteron-Therapie kann dort die Lebensqualität, Stimmung und Sexualfunktion verbessern. Neue Leitlinien (EAU 2025) fordern eine präzise Indikation und differenzieren funktionelle von organischen Formen des Hypogonadismus.
Die Testosteron-Therapie ist kein Allheilmittel, so Zitzmann, aber bei richtiger Anwendung ein hochwirksames Instrument zur Verbesserung von Lebensqualität, Stoffwechselgesundheit und Sexualfunktion. Gleichzeitig verlange sie ein sorgfältiges Vorgehen: Mit klarer Indikationsstellung, individueller Abwägung, begleitender Lebensstiloptimierung und kritischem Monitoring. Die Zukunft gehört einem patientenzentrierten Konzept der Testosteron-Therapie, das fachübergreifend geplant und verantwortungsvoll durchgeführt werde.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden