ADCs stellen seit der Markteinführung von Gemtuzumab im Jahr 2000 einen bedeutenden Fortschritt in der Onkologie dar. Ihre Struktur kombiniert einen monoklonalen Antikörper, der gezielt ein Tumorantigen erkennt, mit einem zytotoxischen Wirkstoff, welcher über einen Linker an den Antikörper gebunden ist. Diese zielgerichtete Therapieform ermöglicht eine selektive Tumorzellzerstörung bei gleichzeitiger Schonung gesunder Gewebe.
Jedoch sind in der Praxis zahlreiche okuläre Nebenwirkungen beschrieben worden, da einige der durch ADCs adressierten Zielantigene auch in okulären Geweben exprimiert werden. Am häufigsten treten Veränderungen an der Augenoberfläche auf, darunter Keratopathien, Konjunktivitis, Trockenes Auge, Blepharitis, Uveitis sowie limbal-stem-cell-Dysfunktionen. Diese Ereignisse können sich einzeln oder kombiniert zeigen, mit einer Häufigkeit von 0 % bis 90 % je nach ADC-Typ.
Insgesamt verdeutlichen drei aktuelle Studien, dass ADCs ein neues Kapitel präziser Krebstherapie eröffnen – jedoch um den Preis einer neuartigen, dosisabhängigen Augentoxizität, die bislang unterschätzt wird, warnte Ataseven. Künftige Forschung sollte sich auf standardisierte Screening-Leitlinien, Mechanismusaufklärung und die Entwicklung weniger augentoxischer ADC-Designs konzentrieren, um Wirksamkeit und Lebensqualität gleichermaßen zu sichern.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden