Sie ist gekennzeichnet durch den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse und -kraft und trägt maßgeblich zur Gebrechlichkeit, Sturzgefahr, funktionellen Einschränkung und Mortalität bei. Trotz ihrer Bedeutung wird die Erkrankung in der klinischen Praxis weiterhin unzureichend diagnostiziert und behandelt.
Historisch basierte die Definition der Sarkopenie primär auf der Quantifizierung der Muskelmasse. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass Muskelkraft und funktionelle Leistungsfähigkeit deutlich besser mit klinisch relevanten Outcomes korrelieren als Muskelmasse allein. Entsprechend integriert die revidierte europäische Konsensus-Definition sowohl Muskelkraft als auch Muskelmasse in die Diagnostik.
Dennoch bleibt diese Definition unspezifisch, da funktionelle Parameter stark von Motivation, Kognition und Komorbiditäten beeinflusst werden. Aktuelle internationale Initiativen wie die Global Leadership in Sarcopenia (GLIS) zielen daher auf eine weltweit harmonisierte und pathophysiologisch fundierte Diagnostik ab. Ein zentrales Zukunftskonzept ist die Unterteilung der Sarkopenie in Subgruppen mit dominanten, potenziell behandelbaren Pathomechanismen, darunter endokrinologische, inflammatorische, metabolische und neuromuskuläre Formen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden