Patientinnen mit Mammakarzinom nutzen nach Literaturangaben in 50% bis 90% komplementäre Therapieverfahren. Gefordert wird, dass alle Patientinnen frühestmöglich und im Verlauf wiederholt zur aktuellen und geplanten Anwendung von komplementären Maßnahmen befragt und gezielt auf mögliche Interaktionen zwischen diesen Anwendungen und der Krebstherapie hingewiesen werden.
Ein Risiko komplementärer Behandlungen besteht darin, dass Patientinnen und Therapeuten der Wirksamkeit dieser komplementären Maßnahmen so viel Vertrauen schenken, dass sie zugunsten dieser Maßnahmen die konventionelle Karzinomtherapie aufgeben. Folglich handelt es sich dann um ein alternatives Verfahren, welches aufgrund der offensichtlichen Risiken für die Gesundheit der Patientin gerade nicht durchgeführt werden soll, warnen die Leitlinien-Autoren.
Einige im Rahmen von komplementären oder alternativen Behandlungskonzepten angebotene diagnostische Maßnahmen wie z. B. Irisdiagnostik, Dunkelfeldmikroskopie, Bioresonanz, sogenannte Allergiediagnostik etc. basieren auf wissenschaftlich nicht belegten Konzepten und/oder falschen Interpretationen von Zusammenhängen der Körperfunktionen und sollen somit ausdrücklich nicht empfohlen werden.
Alternative Therapieverfahren als angeblicher Ersatz einer evidenzbasierten Therapie ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen sollen Patientinnen ebenfalls nicht empfohlen werden. Dazu gehören etwa Ukrain, sog. Vitamin B17 (Aprikosenkerne, Bittermandel), insulinpotenzierte Therapie, Vitamine nach Dr. Rath®, Germanische Neue Medizin®, Eigenblut-Zytokine, Zapper sowie verschiedene Krebsdiäten, wie z. B. die Breuss-Kur und die Cellsymbiosis-Therapie. In einer einfühlsamen Beratungssituation sollten die Patientinnen wertneutral, kompetent und umfassend über solche Therapien informiert werden.
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden