Angeblich seien Störfelder in der Zwischenzeit über neuroanatomische und neurophysiologische Zusammenhänge (u. a. Neuroplastizität) im Wesentlichen wissenschaftlich belegt. Die heute unter dem Begriff des „Nozigenerators“ oder „neuromodulatorischen Triggers“ (= Störfeld) definierbaren pathophysiologischen Abläufe der vornehmlich chronischen Erkrankungen können, so die Referenten, mithilfe der Störfeld-Diagnostik aufgedeckt und in eine „hochspezifische kausale Therapie“ umgesetzt werden.
Dabei habe die Zahn-Kiefer-Region in der Neuraltherapie einen besonderen Stellenwert, da sich auffallend häufig die Zähne und der Halteapparat als Störfeld wiederfinden. Zahnfehlstellungen, Überlastungen, Wurzelfüllungen, Wurzelspitzenresektionen und Implantate sowie Restostitiden nach Zahnsanierung wie auch verlagerte Zähne und Parodontitiden erweisen sich angeblich auffallend häufig als Ursache für Beschwerden nicht nur im Bereich des Schädels und der Schulter-Hals-Region, sondern auch für neurologische Erkrankungen, Schmerzerkrankungen und Erkrankungen im Bereich des Bewegungsapparates. Diese sollen durch Injektionen zur „neuraltherapeutischen Zahntestung“ diagnostiziert werden.
Tatsächlich handelt es sich beim angeblichen „Störfeld“ jedoch weiterhin um ein weitgehend spekulatives „alternativmedizinisches“ Konzept. Kritisch zu sehen sind v. a. tiefe Injektionen, so etwa „übersegmentale Ganglieninjektionen“, wie sie hier ebenfalls empfohlen wurden.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden