Die Prävalenz von moderat bis schwerer Fatigue bei Krebspatienten ist enorm hoch und liegt bei ca. 30 % bis 60 % während der Therapie, berichtete Karin Jordan von der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam auf dem 21. Onkologie-Update-Seminar am 16. und 17. Januar 2026 in Mainz.
Gerade neuere antineoplastische Therapieansätze wie z. B. die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (antibody drug conjugates, ADCs) weisen Fatigue als eine Hauptnebenwirkung aus. Bei 20 % bis 30 % der Patienten persistieren Fatigue-Symptome auch nach Abschluss der Therapie über Monate und Jahre.
Die Empfehlungen zum Management unterscheiden sich je nach Situation: Für die Behandlung der Fatigue während der aktiven Tumortherapie und für die Begleitung im fortgeschrittenen palliativen Setting.
Folgende Empfehlungen gelten zur Behandlung der Fatigue unter aktiver Tumortherapie:
· Empfohlen werden Bewegung (Ausdauer- und/oder Krafttraining), Kognitive Verhaltenstherapie +/- Hypnose, achtsamkeitsbasierte Programme sowie Tai Chi oder Qigong.
· Als Kann-Empfehlung gelten Psychoedukation sowie amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) 2.000 mg/Tag.
· Nicht empfohlen werden dagegen „Wachheitsmittel“ (z. B. Modafinil, Armodafinil) L-Carnitin, Psychostimulanzien (z. B. Methylphenidat) und Antidepressiva (z. B. Paroxetin).
· Unzureichende Evidenz liegt vor für Akupressur, Coenzym Q10, Guarana, Gehirnwellen-Vibrationsmeditation, Minocyclin, Musik oder Musiktherapie, progressive Muskelentspannung, Reflexzonenmassage, lösungsorientierte Therapie und Yoga.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden