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Fatigue bei geheilten Hodgkin-Patienten unabhängig von der Therapie

In einer Situation, in der die meisten der in der Regel jungen Hodgkin-Patienten geheilt werden, tritt die Lebensqualität nach der erfolgreichen Therapie in den Vordergrund, berichtete Peter Borchmann von der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln auf dem 14. Onkologie-Update-Seminar am 1. und 2. Februar 2019 in Mainz.

So ist bereits lange bekannt, dass einige dieser Patienten auch langfristig sehr durch eine abnorme Erschöpfbarkeit belastet sind („Cancer Related Fatigue“, CRF). Hier wird oft von einer Therapiefolge gesprochen, obwohl es dafür keinen wissenschaftlich belegten Anhalt gibt.

Untersuchungen der German Hodgkin Study Group zeigen jedoch keinerlei Einfluss der Therapieintensität auf die Persistenz von Fatigue, trotz sehr großer Unterschiede in der Intensität (von 2 x ABVD bis 8 x BEACOPPeskaliert). Im Gegenteil haben Patienten in fortgeschrittenen Stadien von der Therapie häufig in Bezug auf die Fatigue profitiert, was in frühen Stadien weniger häufig zu sehen war.

Prädiktoren der persistierenden schweren Fatigue waren dagegen eine Fatigue-Symptomatik vor Einleitung der Therapie und (in einem wesentlich geringeren Ausmaß) das Alter. Insgesamt leidet knapp ein Viertel der Patienten dauerhaft, d. h. mindestens fünf Jahre, an schwerer Fatigue, was offenbar ein gravierendes Problem darstellt.

In einer weiteren Studie der German Hodgkin Study Group fand sich eine hochsignifikante und relevante negative Korrelation von schwerer Fatigue zur Beschäftigungssituation (51 % der Frauen und 63 % der Männer mit schwerer Fatigue waren beschäftigt, verglichen 78 % bzw. 90 % ohne schwere Ausprägung). Die betroffenen Patienten hatten auch häufiger finanzielle Probleme und mehr Arztkontakte.

Somit ist die persistierende schwere Fatigue ein wesentlicher Faktor, der diesen Patienten den Weg zurück in ein normales Leben – trotz Heilung des Lymphoms – massiv erschwert, erklärte Borchmann. Unbekannt ist weiterhin, warum manche Patienten nach der Diagnose des Hodgkin-Lymphoms eine ausgeprägte Fatigue-Symptomatik haben und andere nicht.

Kommentar

Diese aktuellen Erkenntnisse zur Krebs-assoziierten Fatigue (die keineswegs mit dem sog. Chronic Fatigue Syndrom gleichgesetzt werden kann) sind gerade auch für den medizinischen Sachverständigen von Interesse, der die berufliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen begutachten soll. Die Problematik liegt hier v. a. darin, dass die Diagnose einer Fatigue ausschließlich auf Selbstauskünften beruht, so dass eine Objektivierung des Ausmaßes der Beschwerden und deren Auswirkung auf die berufliche Leistungsfähigkeit ausgesprochen schwierig ist (vgl. Dörmann M; VersMed 65 (2016) 2: 75–78).

■ G.-M. Ostendorf, Wiesbaden