Es handelt sich dabei um eine schwere neuropsychiatrische Erkrankung, die gekennzeichnet ist durch akut auftretende kognitive Auffälligkeiten mit Störung der Orientierung und der Aufmerksamkeit sowie einer Antriebsarmut oder -steigerung. Es tritt gerade bei älteren Menschen im Krankenhaus häufig auf: So sind auf internistischen bzw. geriatrischen Stationen 18 % bis 35 % und auf Intensivstationen bis zu 80 % der Patienten betroffen.
Gerade bei antriebsgeminderten Patienten wird ein Delir zu oft übersehen bzw. als vorbestehende Demenz eingeordnet. Insbesondere bei Menschen mit Demenz fällt die Einschätzung schwer, ohne den vorherigen Zustand zu kennen. Dies ist relevant, da ein Delir grundsätzlich reversibel ist, sofern es erkannt und die auslösende Ursache behandelt wird. Wird ein Delir nicht erkannt und somit nicht behandelt, führt dies zu einer höheren Sterblichkeit, einer längeren Liegedauer im Krankenhaus sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit, in ein Pflegeheim entlassen zu werden oder an einer Demenz zu er kranken.
Insbesondere das hypoaktive Delir hat eine schlechte Prognose. Dies kann u. a. dadurch erklärt werden, dass ein hypoaktives Delir seltener erkannt wird, aber auch durch die Immobilität als Folge des hypoaktiven Delirs, wie z. B. Thrombose, Aspirationen oder Verlust von Muskelmasse.
Drei Dinge sind daher von wesentlicher Bedeutung, so Trabert:
1. Risikopatienten zu identifizieren
2. Gezielte Delir-Prävention, insbesondere (aber nicht ausschließlich) bei geriatrischen Patienten unter Einbeziehung von Bezugspersonen
3. Strukturiertes Delir-Screening, um – im Falle eines Delirs – dieses frühzeitig zu erkennen und zu behandeln
Aus gutachtlicher Sicht ist anzumerken:
Sollte bei entsprechenden Risikopatienten im Krankenhaus ein Delir nicht (bzw. nicht rechtzeitig) erkannt und entsprechend behandelt werden, und sollte es dadurch zu einer schweren Schädigung des Patienten kommen, kann das ggf. den Vorwurf eines Behandlungs- bzw. eines Befunderhebungsfehlers begründen.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden