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Angebliche Arzneimittelallergie bei Kindern richtig abklären

Ärzte werden häufig mit der Verdachtsdiagnose einer Allergie oder Überempfindlichkeit auf Arzneimittel bei Kindern und Jugendlichen konfrontiert, berichtet der Pädiater und Allergologe Christian Walter aus Bad Homburg im Hessischen Ärzteblatt (März 2026). In der Mehrzahl der Fälle kann diese Diagnose in einer leitliniengerechten Diagnostik jedoch nicht bestätigt werden.

Die häufigste Ursache für die Fehldiagnose einer Arzneimittelallergie/-unverträglichkeit im Kindesalter sind Infekt-induzierte Exantheme oder eine durch einen Infekt ausgelöste Urtikaria. Untersuchungen zeigen aber darüber hinaus, dass seitens der Betroffenen häufig auch pharmakologische Nebenwirkungen (wie z. B. eine Tachykardie nach der Inhalation mit einem ß2-Sympathomimetikum) als Hinweis auf eine Allergie gewertet werden. Schließlich werden auch somatoforme Reaktionen wie Angstgefühle als hinreichend angesehen, um die Diagnose einer Arzneimittelallergie zu stellen.

Das Ausbleiben einer allergologischen Diagnostik bei Verdacht auf das Vorliegen einer Arzneimittelallergie oder -überempfindlichkeit hat jedoch schwerwiegende und gefährliche Folgen für die betroffenen Patienten. Die Diagnostik im Verdachtsfalle dient in den meisten Fällen dem Schutz vor einer falschen Diagnose. Dabei ist die Durchführung der Diagnostik vom Reaktionstyp (Sofort- oder Spätreaktion) sowie vom potenziell auslösenden Arzneimittel abhängig.

Bei tatsächlichem Nachweis einer Allergie oder Überempfindlichkeit ist die Ausstellung eines Allergiepasses obligat, so Walter. Dieser sollte neben dem nicht vertragenen Wirkstoff (inklusive klinischem Bild, zeitlichem Verlauf und verabreichter Medikation) auch immer die Angabe einer verträglichen Alternative für eine zukünftige Behandlung enthalten.

C. Walter: Arzneimittelallergie und -überempfindlichkeit bei Kindern und Jugendlichen. Hessisches Ärzteblatt, 87. Jg., Heft 3, S. 127-133

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden