Sie treten meist intraoperativ oder aber bis zu vier Wochen nach der Osteotomie auf, da deren Entfernung den Knochenquerschnitt im Kieferwinkel weiter reduziert. Teilweise handelt es sich bei diesen Frakturen um eine Verschlechterung unbemerkter intraoperativer Mikrorisse.
Das Fraktur-Risiko wird durch den Retentionsgrad, die Zahnneigung (v. a. mesioangulare Impaktion), lange Wurzeln sowie durch zystische oder tumoröse Veränderungen erhöht. Weitere relevante Risikofaktoren sind höheres Patientenalter, systemische Erkrankungen oder knochenschwächende Medikamente sowie präoperative Infektionen im Bereich des dritten Molaren, aber auch falsche Instrumentennutzung sowie übermäßige Kraftanwendung bei der Zahnextraktion.
Therapeutisch können nicht dislozierte Frakturen konservativ behandelt werden, während dislozierte Kieferwinkelfrakturen in der Regel eine offene Reposition und Osteosynthese erfordern, mit dem Ziel der Wiederherstellung von Okklusion, Kieferkontur und Gelenkfunktion.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden