„Die Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt: Stabile Brüche können häufig ohne Operation behandelt werden; nach einer Operation ist oft eine frühere Belastung möglich", berichtete Jörn Dohle, stellvertretender Präsident der DGOU. Ob operiert werden muss, hängt wesentlich von der Stabilität des verletzten Gelenks ab. Ist die Stabilität nachgewiesen, kann häufig auf eine Operation verzichtet werden. Röntgenaufnahmen unter Belastung sowie die Computertomographie helfen bei dieser Entscheidung. „Wir behandeln heute nicht mehr jeden Sprunggelenkbruch nach demselben Schema", erklärte D.A.F.-Präsident Stefan Rammelt. „Entscheidend ist, wie stabil die Verletzung ist und welches individuelle Risiko die Person mitbringt.“
Auch die klassische Nachbehandlung wird in Frage gestellt: Sechs Wochen Ruhigstellung und Ent- oder Teilbelastung waren lange Standard. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass eine frühe Belastung zu besseren funktionellen Ergebnissen führen kann, ohne die Komplikationsrate zu erhöhen. Die frühzeitige, schmerzadaptierte Vollbelastung ist sicher und stellt eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen dar.
Die neue S3-Leitlinie „Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie von Sprunggelenkfrakturen (EviDenTS)“ soll aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in verbindliche Empfehlungen übersetzen und die Versorgung weiter verbessern. Sie wird derzeit durch ein interdisziplinäres Team bearbeitet und erscheint voraussichtlich Ende 2027.
register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-010
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden