Ätiologisch handelt es sich um eine akute Störung von Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Kognition aufgrund einer gestörten neuronalen Homöostase. Besonders gefährdet sind multimorbide, kognitiv beeinträchtigte und funktionell eingeschränkte ältere Patienten nach Operationen. Die Inzidenz beträgt bei proximalen Femurfrakturen bis zu 50 % und wird in der aktuellen EvidenT-HiP-Leitlinie als zentrale Outcome-Determinante hervorgehoben.
Das postoperative Delir ist ein medizinischer Notfall, der innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden am häufigsten auftritt. Es ist eng mit erhöhter Mortalität, verzögerter Mobilisation, Verlust der Selbstständigkeit sowie längerem Krankenhausaufenthalt verknüpft.
Für die Versorgung bedeutet dies:
· Früherkennung: Tägliches Delir-Screening bei allen Patienten > 65 Jahren
· Prävention: Reorientierung, frühfunktionelle Mobilisierung, gute Analgesie (regional bevorzugt), Schlaf- und Hydrationsmanagement
· Medikamente kritisch prüfen: Anticholinerge Substanzen, Sedativa und Polypharmazie vermeiden
· Risikopatienten aktiv managen: Frailty und kognitive Einschränkungen berücksichtigen
· Wenn ein Delir auftritt, muss es unmittelbar behandelt werden – durch Ursachenfokussierung, engmaschige Überwachung und (nur im Ausnahmefall) eine pharmakologische Therapie.
Dabei gelten folgende Ziele, so Postler: Delir verhindern, Mobilität sichern, Überleben und funktionelles Outcome verbessern.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden