Die herausragende gesundheitliche, gesellschaftliche und ökonomische Relevanz der Depression betonte Dieter F. Braus, Klinikdirektor der Vitos Klinik Eichberg in Eltville, auf dem 20. Allgemeinmedizin-Update-Seminar am 8. und 9. Mai 2026 in Mainz.
Weltweit sind mehr als 300 Millionen Menschen betroffen, wobei Frauen etwa doppelt so häufig erkranken wie Männer. In der allgemeinmedizinischen Versorgung leidet etwa jeder zehnte Patient unter depressiven Symptomen. Das Lebenszeitrisiko beträgt etwa 15 %, die Ein-Jahres-Prävalenz liegt bei 4 % bis 5 %.
Ein erheblicher Anteil der Betroffenen erkrankt bereits früh im Leben: Rund 40 % erleben ihre erste depressive Episode vor dem 20. Lebensjahr. Der Verlauf ist häufig rezidivierend – etwa 80 % der Betroffenen entwickeln zwei oder mehr Episoden. Während etwa die Hälfte der Patienten innerhalb von sechs Monaten remittiert, sind nach einem Jahr etwa 70 % genesen. Allerdings entwickeln 15 % bis 39 % einen chronischen oder therapieresistenten Verlauf.
Depression ist mit einem erhöhten Risiko für Suizid sowie mit zahlreichen somatischen und psychischen Komorbiditäten verbunden und kann potenziell tödlich verlaufen. Sie stellt weltweit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in der Altersgruppe der 18- bis 60-Jährigen dar und verursacht die höchsten volkswirtschaftlichen Kosten aller Erkrankungen.
Diese enormen volkswirtschaftlichen Kosten kommen zustande durch die hohe Prävalenz in allen Altersgruppen, die damit verbundene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die erhöhte Komorbidität sowie die Tendenz zur Chronifizierung. Letztere ist nicht nur Resultat von ungenügender Diagnostik und Wirksamkeit der evidenzbasierten Therapien, sondern besonders auch der ungenügenden Inanspruchnahme der vorhandenen Behandlungsangebote aufgrund von Stigmatisierung und anderen gesellschaftlich bedingten Faktoren, so Braus.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden