Der Begriff „panfaziale Fraktur“ bezeichnet Verletzungen, die mehrere Bereiche des Gesichtsschädels – obere, mittlere und/oder untere Etage – gleichzeitig betreffen. Panfaziale Traumata sind zumeist die Folge schwerer Gewalteinwirkung, wie durch einen Autounfall oder Sturz. Aufgrund möglicher starker „Zertrümmerungen“ (nach Nomenklatur der AO korrekt als „Major Fragmentation“ zu bezeichnen) ist eine anschließende osteosynthetische Versorgung in der Regel deutlich erschwert.
Das noch bis über die Jahrtausendwende dominierende Top-Down-Prinzip gemäß damaliger „AO-Schule“, das auf der korrekten dreidimensionalen Jochbein-Projektion – definiert über die Sutura sphenozygomatica und den Jochbogen – basierte und die Mandibula-Position im Falle von (damals nicht konsequent operativ versorgten) Frakturen des Gelenkfortsatzes an der Okklusion der Maxilla orientierte, ist heute gegenüber der systematischen Bottom-Up-Technik in den Hintergrund getreten.
Letztere erfordert aber in logischer Konsequenz die umfassende Versorgung der Frakturen des Gelenkfortsatzes, d. h. einschließlich der Gelenkköpfe. Im Falle extraoraler Zugänge stellen die Gelenkfortsatzfrakturen somit den ersten Schritt in der Mandibula-Versorgung – und damit des panfazialen Traumas – dar.
Aufbauend auf einer korrekt wiederhergestellten Mandibula-Position kann dann die Maxilla dreidimensional korrekt eingestellt werden. Die anschließende Versorgung der Zygoma/NOE-Ebene erfolgt sinnvollerweise nach dem Outside-in-Prinzip und den AO-Kriterien. Die Rekonstruktion der Orbitae stellt dann den letzten Schritt der Versorgung dar (d.h. erst nachdem die Outer und Inner Frames des Gesichtsschädels rekonstruiert wurden).
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden