Seit mehr als vier Jahrzehnten erfahren die kleinen Nadelmesser eine Renaissance in der chinesischen Medizin und sind zwischenzeitlich in einen „Prozess der professionellen Formierung“ – auch in Abgrenzung zur Akupunktur – eingetreten. Das Wirkprinzip fußt auf einem gezielten, umschriebenen Mikrotrauma an ausgewiesenen Körperstellen zur „Wandlung einer Blut-Stase xueyu“, so Bachmann.
Die Indikationen der Akupotomie umfassen lokale Störungen der „Durchgängigkeit“ im muskuloskelettalen System, beispielsweise bei Ansatzendinosen oder faszialen Störungen, nach neueren Ankündigungen angeblich aber auch bei generellen Symptomen wie Fatigue.
Aus gutachtlicher Sicht erscheint dieses – gegenüber der Akupunktur invasivere – Behandlungskonzept nach dem Konzept der TCM allerdings problematisch, v. a. bei der Behandlung von nicht lokal-organisch bedingten Beschwerden wie Fatigue.
G.-M. Ostendorf, Wiesbaden