Indikationen für einen fäkalen Mikrobiomtransfer

Angesichts der hohen pathophysiologischen Bedeutung des intestinalen Mikrobioms („Darmflora“) für insbesondere für gastrointestinale Störungen und Krankheiten liegt es nahe, seine Zusammensetzung therapeutisch zu modulieren, berichtete Peter Layer vom Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, auf dem 12. DGIM-Internisten-Update-Seminar am 1. und 2. Dezember 2017 in Wiesbaden.
Ein traditioneller therapeutischer Ansatz sind Probiotika. Deren Wirksamkeit ist aber unberechenbar, limitiert und insgesamt schlecht belegt, so dass bei den meisten Indikationen lediglich eine supportiver Einsatz gerechtfertigt ist.

Eine vergleichsweise radikale neuere Vorgehensweise ist demgegenüber der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT; „Stuhltransplantation“), die bei refraktärer Clostridium difficile-Kolitis erstaunlich effektiv ist und hierfür inzwischen zum therapeutischen Standardrepertoire zählt. Bei refraktärer Clostridium difficile-Kolitis bestätigt sich nach aktuellen Studien die ausgezeichnete Wirksamkeit eines FMT, vor allem bei intrakolonischer Verabreichung. Ein kommerziell verfügbares Präparat wird dringend erwartet: Nach einer Pressemitteilung will eine Bio-Tec-Firma aus Massachusetts eine FMT-Kapsel an den Markt bringen.

Andererseits mehren sich Berichte über die Anwendung eines FMT bei verschiedenen anderen (Darm-)Erkrankungen, bei denen die Meinungen zur Frage „Real oder Hype“ jedoch kontrovers auseinander gehen.

Entgegen aller Skepsis scheint sich der FMT nach aktuellen Studienergebnissen aber als realistische Option bei Colitis ulcerosa zu etablieren, vielleicht sogar als Reservetherapie bei konventionell refraktären Verläufen. Er ist allerdings bisher keine Routinemethode, denn es gibt keine Standards, und viele Aspekte sind unverstanden. Somit ist der FMT bei Colitis ulcerosa bisher nur im begründeten Einzelfall geboten, und die Indikation ist nach wie vor grundsätzlich zurückhaltend zu stellen, erklärte Layer.
Für den Morbus Crohn gebe es bislang keinerlei überzeugende Daten.

Unzweifelhaft ist das Mikrobiom auch bei der Genese von enterischen Funktionsstörungen beim Reizdarmsyndrom beteiligt. Hierbei dürften insbesondere Entstehung, Transit und Metabolismus der Darmgase, aber auch die damit zusammenhängenden Beschwerden der Patienten mit Reizdarmsyndrom eine wichtige Rolle spielen. Somit bietet sich auch dieses Krankheitsbild (bei schwerer Ausprägung) zur Behandlung mit einem FMT an.

Aktuelle Studienergebnisse hierzu sind zwar interessant, begründen jedoch noch keine Indikation eines FMT im Routinemanagement des Reizdarmsyndroms; als Reservemethode im extrem gelagerten Einzelfall darf sie aber diskutiert werden, fasste Layer den aktuellen Kenntnisstand zusammen. Ein FMT sei jedoch umgekehrt, bei nicht sorgfältig gewähltem Donor, auch mit dem Risiko verknüpft, ein Reizdarmsyndrom auf einen Empfänger zu übertragen.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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